Webstandards

Webseiten-Usability – Schlechte und gute Beispiele

In diesem Artikel geht es mir nicht darum, bestimmte Webseiten schlecht zu machen, aber die aktuelle Situation im Web lässt im Hinblick auf Zugänglichkeit und Usability noch sehr zu wünschen übrig. Daher werden im kommenden Webseiten genannt, die ich auf Grund eines anderen Artikels besucht habe. Sie sollen hier als Verdeutlichung angesehen werden, wie merkwürdig manche Webseiten mit den Besuchern umgehen.

Gestern las ich einen Artikel über linkreiche Homepages von Jared Spool. In dem Artikel wurden Beispiele für linkreiche Startseiten verschiedener Websites genannt und glücklicherweise mit Bildern belegt. Warum? Anscheinend wusste der Autor genau, dass man Links nicht trauen kann. Denn ein Link auf die US-amerikanische Seite von Dove hätte mich zur deutschen Webseite geführt. Und so tippte ich die URL selbst ein und wurde eben weitergeleitet.

Und das ist das Schlimme an solchen Weiterleitungen: Dem Nutzer wird keine Wahl gelassen.

Da ich die Seite aus Deutschland besuche, werde ich auch prompt auf eine deutsche Version umgeleitet. Wie aber komme ich auf die Dove-Hauptseite, wenn ich sie gezielt besuchen will?

Das wäre alles nicht so ungewöhnlich, wenn man sich dort für eine leichte Handhabung der Webseite entschieden hätte: Im Hintergrund der gesamten Seite flackern in einem Flashfilmchen Szenen aus den aktuellen Werbespots. Die Navigation ist zudem sehr gewöhnungsbedürftig. Kunden finden sicher irgendwann zu den Produkten, aber die ganze Flackerei dürfte Menschen wie mir sehr schnell auf die Nerven gehen, vor allem auch wegen der langen Ladezeiten. Zwar kann man sich auch für eine Bilderversion entscheiden, aber das erst auf der Website selbst und diese Bilderversion ist dann immer noch ein Flash.

Screenshot der deutschen Dove-Website

Zusätzlich hat man sich entschieden, Frames und Javascript einzusetzen und lässt Nutzer ohne Javascript mit folgendem Hinweis vor verschlossener Tür stehen:

„We detected that javascript has been disabled on your browser.

In order to fully appreciate the Dove website and access all contents, we recommend you to enable javascript in your browser preferences and then reload this page.“

Warum geht das denn nun nicht in deutscher Sprache?

Blinde Besucher werden zudem gänzlich ausgegrenzt. Aber wozu sollten die sich auch im Internet über neue Pflegeprodukte informieren? Sie würden das Ergebnis sowieso nicht sehen. Warum also? Dabei gehören gerade Blinde zur Zielgruppe der neuen Dove-Aktion „Initiative für wahre Schönheit“, wo doch wahre Schönheit von innen kommt.

Wie sieht es aber bei den anderen Herstellern von Pflegeprodukten aus? Nun, es war schwierig, überhaupt eine Website zu finden, die kein Flash einsetzt, die Benutzer nicht per Javascript führt, auf Redirects verzichtet oder Bilder konsequent mit alternativem Text ausstattet. Allerorten findet man Tabellen, Javascript, Popups und Frames. Von einer guten XHTML/CSS-Umsetzung war in den meisten Fällen nichts zu sehen.

So sind die Webseiten nicht nur für blinde Nutzer schwer zugänglich, auch Nutzer ohne Javascript, mit alten Browsern oder Popup-Blockern bleiben draußen oder müssen sich mit „zerschossenen“ Designs herumärgen. Aber auch ganz „normale“ Nutzer gehen auf dem Weg verloren, weil die Struktur der Seite sie überfordert. So können die gewünschten Informationen nicht gefunden werden. Und die nächste Entscheidung in der Drogerie fällt vielleicht zu Ungunsten des Herstellers aus.

Das ist einfach zu viel des Guten. Der Nutzer wird oftmals wie ein unmündiges Kind behandelt, dem man die besten Happen auf dem Tablett servieren müsste und dabei andere Möglichkeiten einfach unter den Tisch fallen lässt.

Dabei sollten gerade Unternehmen mit solchen Webseiten umdenken, schließlich geht es um die Bewerbung eines oder mehrerer Produkte. Webseiten sind heutzutage nicht mehr einfach Zusatzangebote mit netten Spielereien oder virtuellen Geschenken sondern wichtige Anlaufstellen für potentielle Käufer.

Und auch die Technik ist soweit fortgeschritten, dass man dem Besucher auch mit zugänglichen und benutzbaren Webseiten ein optisches Schmankerl anbieten kann.

Was die einen (öffentliche Einrichtungen, Kommunen. Siehe BITV) müssen ist für die anderen längst zur Option geworden. Und da ich kein wirklich gutes Beispiel gefunden habe, hier eine kleine (durchaus ergänzbare) Liste einzelner Punkte für gute Usability und Zugänglichkeit:

  • Informieren Sie sich über Alternativen, besuchen Sie Webseiten von öffentlichen Einrichtungen und Kommunen, holen Sie Angebote ein, lassen Sie sich beraten.
  • Lassen Sie eine Webseite auf Basis von XHTML und CSS erstellen.
  • Lassen Sie die Nutzer selbst entscheiden, was er auf Ihrer Website macht: Nutzen Sie Techniken wie JavaScript, Frames, Flash vernünftig.
  • Achten Sie auf eine logische Struktur von Navigation und Inhalt.
  • Lassen Sie die Website während der Erstellung von echten Nutzern testen und fragen Sie konkret nach Schwierigkeiten.
  • Orientieren Sie sich an Regelungen wie der BITV und den WCAG.

Und denken Sie immer an die Besucher/Kunden: So umfangreich wie nötig, so einfach wie möglich.

Kategorie: Webstandards

von

Hallo, ich bin Nadja und arbeite als freie Webdesignerin in Berlin. Seit den 2000er-Jahren ist das Internet mein berufliches Zuhause, hier im cne _LOG schreibe ich erst seit Anfang 2006 zu den Themen Webdesign, Webstandards und vor allem auch Wordpress.