Blogging

Transparenz und kulturelle Unterschiede

Heute ist mir wieder aufgefallen, wie offen manche englischsprachigen Webworker und auch Unternehmen mit ihren Lesern umgehen. Da werden die Gründe für abgelehnte Jobangebote, private Informationen und Entscheidungen über die eigene Preisgestaltung (wie im Artikel „Pricing a Project“ von Blue Flavor) offengelegt, dass manchem deutschen Unternehmer sicher schwindelig werden könnte.

Doch woher kommt soviel Transparenz? Warum gehen vor allem amerikanische Designer und Entwickler so offen mit diesen Informationen um?

Die Amerikaner sind Spitzenreiter im Bloggen, egal ob privates Tagebuch oder Unternehmensblog, und lassen ihre Leser an ihrem Leben teilhaben. Beim Lesen dieser Weblogs habe ich immer das Gefühl, einen Menschen reden zu hören, der nicht erhobenen Hauptes auf einem Podest steht – Leser und Autor sind auf einer Ebene. Das merkt man auch an der Sprache: Keine Werbefloskeln und abgedrochenen Phrasen, sondern menschliche Kommunikation. Da es im Englischen keinen Unterschied zwischen du und Sie gibt, muss der Leser entscheiden, wie er sich angesprochen fühlt – ich fühle mich immer geduzt und empfinde es als angenehm.

Die Erfahrungen, die ich jetzt in Blogs mache, sind die selben wie bei meinem Auslandsaufenthalt vor einigen Jahren: Auch damals fühlte ich keine Unterschiede in der Kommunikation mit anderen Studenten und mit Professoren. Die persönlichere Atmosphäre wirkte sich bei mir deutlich auf Motivation und Arbeitsweise aus. Ich arbeitete besser und hatte weniger Angst, Fehler zu machen. Ich bin damals wie heute auf viel Verständnis getroffen, dass ich als sehr wichtig für Arbeits- und auch Kundenbeziehungen einschätze.

Doch woher kommt diese Offenheit, vor der ganzen Welt mit offenen Karten zu spielen?

Vielleicht haben die Amerikaner gemerkt, dass es nicht nur um Profilierung geht, sondern eben gerade um die persönliche Note, um Meinungen und Ansichten. Und wenn man offen mit Informationen umgeht, steigert das wiederum den Nutzen für den Leser und Kunden. Offenheit und Ehrlichkeit schaffen Vertrauen. Letztendlich kann das nur heißen: Ich als Leser/Kunde begebe mich gern in die Hände eines Menschen, der ist wie ich, der auch Fehler macht und dem an seinem Gegenüber etwas gelegen ist. Am Ende also doch eine Profilierung?

Vielleicht ist meine Betrachtungsweise zu einseitig, aber ich fühle mich auf den meisten amerikanischen Blogs wohl und bewundere diese Offenheit, auch wenn sie ein bestimmtes Ziel verfolgt und bewusst eingesetzt wird.

Wie seht Ihr die Unterschiede zwischen deutschen und amerikanischen/anderssprachigen Bloggern? Welche Rolle spielt die Kultur? Werden wir über unseren eigenen Schatten springen können? Sollten wir das überhaupt? Ich freue mich auf eure Antworten.

Kategorie: Blogging

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Hallo, ich bin Nadja und arbeite als freie Webdesignerin in Berlin. Seit den 2000er-Jahren ist das Internet mein berufliches Zuhause, hier im cne _LOG schreibe ich erst seit Anfang 2006 zu den Themen Webdesign, Webstandards und vor allem auch Wordpress.