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Sprechtraining – Teil 3: Angewandtes Sprechen

Nach den praktischen Übungsteilen #1 und #2 möchte ich mich den theoretischen Grundlagen des Ausdrucks widmen.

Wir erleben täglich verschiedene Redesituation: Im Beruf, am Telefon, mit Freunden, in Diskussionen, das Vorlesen der Gute-Nacht-Geschichte, bei Vorträgen vor Publikum oder eben bei der Aufnahme eines Podcastes. Immer wollen wir Inhalte und Bedeutungen vermitteln. Ein Sprecher, der sich mit Begeisterung zu seinem Thema äußert, kann die Zuhörer mitreißen und seine Informationen besser vermitteln.

Für das laute Lesen und das Vortragen von Reden oder vorbereiteten Texten muss man jedoch bestimmte Regeln beachten, damit die Inhalte auch beim Hörer ankommen. Dazu bedienen wir uns verschiedener Ausdrucksmittel der Intonation. Das sind:

  • Sprechmelodie
  • Klangfarbe,
  • Lautstärke,
  • Sprechtempo und
  • Pausengestaltung.

Auch diese Ausdrucksmittel kann man trainieren. Wichtig hierzu ist das Verstehen und das Erfassen der Grundstimmung des vorliegenden Textes. Der Text muss in sinnvolle Einheiten unterteilt werden.

Die Perfektion des (Vor-)Lesens ist das erzählende Lesen, das man bei allen geübten Fernsehsprechern findet. Der Zuhörer kann, ohne selbst zu lesen, den Inhalt erfassen und später darüber sprechen.

„Die Kunst des Lesens besteht darin, nicht zu lesen.“

Dieses hörergerichtete Lesen wird durch eine scheinbar freie sprachliche Gestaltung gekennzeichnet ist. Der Sprecher spricht zum Hörer als ob gar keine Lesevorlage vorhanden wäre. Das erzählende Lesen kann man an kleinen Texten wie Gedichten oder kurzen Prosatexten üben. Man kann Sinnschritte, Atempausen und Sinnwörter im Text markieren.

Allerdings sollten Betonungen sparsam eingesetzt werden: Jeder Sinnschritt enthält ein Sinnwort, das die Hauptbetonung trägt; alle anderen Akzente ordnen sich dieser Hauptbetonung unter. Zusätzlich sollte man das Sprechtempo verringern und Pausen zwischen den Sinnschritten machen.

Die informationstragenden Wörter einer Aussage werden am stärksten betont: Meist werden diese Wörter etwas höher, lauter (nachdrücklicher) und eventuell gedehnter gesprochen.

Die Ausdrucksmittel – Intonation

Die Intonation ist ein wesentlicher Bestandteil der sprachlichen Kommunikation. Mit Hilfe dieser verschiedenen expressiven Mittel akzentuiert der Sprecher seine Äußerung. Jedoch werden kaum alle Mittel gleichmäßig oder wahllos eingesetzt. Der Zuhörer kann durch die Intonation erkennen, wie ein Ausspruch gegliedert ist, ob es sich um eine Aussage, Frage oder Aufforderung handelt, welches Wort das Wichtigste ist, also die Hauptinformation trägt, und ob sachlich oder mit emotionaler Beteiligung gesprochen wird.

Sprechmelodie

Die Sprechmelodie bzw. der Tonhöhenverlauf ist das wichtigste Gestaltungsmittel im Deutschen und bezeichnet die Änderung des Grundtones. Der Tonhöhenverlauf kennzeichnet den Ausspruch als Redeeinheit, als abgeschlossene oder weiterweisende Äußerung und die Haltung des Sprechers.

Eine zum Ende abfallende Tonhöhe signalisiert Abgeschlossenheit. Bleibt die Tonhöhe in der Schwebe oder sinkt/steigt geringfügig, weist die Äußerung auf etwas Folgendes weiter. Eine kräftig steigende Tonhöhe kennzeichnet häufig Fragen oder Warnungen.

Klangfarbe

Wir kennen verschiedene Stimmklänge, die zeigen, wie der Sprecher wirklich fühlt: dunkel – hell, zart – derb, klar – verhaucht, dünn – voll usw. Jedes Gefühl verändert die Spannung der Stimmorgane und verursacht so eine Klangveränderung. Ein zorniger Sprecher klingt oft heiser und hoch, Wohlbefinden äußert sich häufig in einer klaren, vollen Stimme. Auch Gedichte verlangen bestimmte Grundstimmungen.

Man kann versuchen, sich in verschiedene Gefühlssituationen hineinzuversetzen und dabei Einwortsätze oder Ausrufe (Ach, Pfui, Oho…) mit einer der Gefühlssituation entsprechenden Klangfarbe sprechen.

Lautstärke

Auch mit Lautstärke kann man Bedeutung vermitteln. Jede Veränderung der Lautstärke weckt das Interesse des Zuhörers, auch eine Abschwächung. Lautstärkeveränderungen sollte man nur sparsam einsetzen. Besonders Gedichte erfordern gewisse Lautstärkebereiche und Räume, um zu wirken. Nicht jedes Gedicht kann in einem großen Saal vor einem großen Publikum vorgetragen werden.

Sprechtempo

Die Geschwindigkeit kann eine besondere Rolle für die Bedeutung spielen. Durch Dehnen oder Beschleunigen des Tempos kann man unterschiedliche Wirkungen erzeugen. Eine Dehnung von Wörtern kann bedrohlich wirken, eine Beschleunigung kennzeichnet Bewegung oder Ausregung.

Im Allgemeinen wird in Rede-/Vortragssituation jedoch zu schnell gesprochen. Wir sollten daher üben, langsamer und behaglicher zu sprechen. Dadurch kann man die genannten Mittel gezielter einsetzen und verspricht sich weniger, da man sich auf den Text und seine Bedeutung konzentrieren kann.

Pausen

Es gibt verschiedene Pausen, die auf das Gesprochene wirken. Lange Pausen kennzeichnen den Abschluss eines Sinzusammenhangs und Sprecher und Hörer können sich sammeln. Kurze Pausen trennen häufig Sätze und lassen den Sprecher Luft holen. Gezielt gesetzte Pausen innerhalb von Sinneinheiten verstärken die Bedeutung einzelner Wörter zusätzlich.

Übungen

Wichtig für das Vortragen von Texten:

  • Unterteilung in sinnvolle Einheiten
  • Markieren von bedeutungstragenden Wörtern
  • Eintragen von Pausen

Um das erzählende Lesen zu üben, kann man, wie schon erwähnt, kurze Gedichte oder Prosatexte nehmen. Diese Texte werden in sinnvolle Einheiten unterteilt, bedeutungsvolle Wörter markiert, Pausen eingetragen. Dann wird der Text mehrmals laut gelesen, um ihn zu verinnerlichen. Ein bekannter Text wird immer besser vorgetragen als ein unbekannter, da man den Inhalt versteht. Während des erzählenden Lesens wird immer vorausschauend gelesen nie zurückblickend, das heißt der folgende Abschnitt wird beim Sprechen überflogen und so besser umgesetzt.

Dieses Lesen bietet eine gute Grundlage für weitere Redesituationen. Durch das erzählende Lesen wird nicht nur die sprachliche Gestaltung von Texten trainiert sondern auch die freie Rede, also Vorträge ohne Manuskript.

In ähnlicher Weise kann der Podcaster auch mit seinen Texten vorgehen. Der Vorteil daran ist das bedeutungsvolle Vortragen der Inhalte, ohne gestellt zu wirken. Zusätzlich wird ein Kontakt zum Hörer hergestellt, als wäre er anwesend. Der Hörer selbst erfasst den Inhalt in allen Einzelheiten.

Doch auch bei Podcasts ohne Textvorlage sollte man auf eine abwechslungsreiche Gestaltung achten. Hilfreich sind hier Stichpunkte oder Grafiken, die als Gedächtnisstütze dienen können. Denn gerade bei freien Reden läuft man Gefahr, das Wichtige aus den Augen zu verlieren. Der Hörer wird dann irritiert und verliert schnell das Interesse.

Grundsätzlich kann man also sagen, dass gerade Podcaster ihre Inhalte vorbereiten müssen, um interessant zu bleiben. Dabei sollte man sich vom starren Vorlesen lesen und ein erzählendes Lesen anstreben.
Lautes Lesen von Gedichten, kurzen Zeitungsartikeln oder anderen Texten schult das Gefühl für die eigene Stimme und die sprachliche Gestaltung. In Aufnahmen der eigenen Stimme lassen sich Fehler leicht erkennen. Außerdem gilt: üben, üben, üben.

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Hallo, ich bin Nadja und arbeite als freie Webdesignerin in Berlin. Seit den 2000er-Jahren ist das Internet mein berufliches Zuhause, hier im cne _LOG schreibe ich erst seit Anfang 2006 zu den Themen Webdesign, Webstandards und vor allem auch Wordpress.

12 Kommentare

  1. Ich übe, jede Woche Montag! 😉
    Vielen Dank auch diese sehr wertvollen Tipps!

  2. Bibi sagt

    Hallo!
    Ich wollte wissen ab wann Kinder sprechen können um Kleine sätze zu Sprechen zu können? wie z.b.: Ich packe meinen Koffer und nehme mein Kuscheltier mit.
    Würde mich um antwort freuen
    Danke
    Bibi

  3. Hallo Bibi,
    die Antwort auf deine Frage fällt unterschiedlich aus, aber im Allgemeinen ist es so, dass Kinder im Alter von 2,5 bis 3 Jahren etwa komplette Sätze bilden können. Vorher sind das meist ungeformte Wortgruppen wie „Mama hoch!“, die durchaus mehrere Bedeutungen haben können.

    Eine schöne Übersicht über den kindlichen Spracherwerb findest du auf dieser Seite: Ablauf der Sprachentwicklung

    Dein Satz erinnert mich an dieses Koffer-Pack-Spiel. Ich würde das mit kleinen Kindern in dem Alter so spielen, dass der Erwachsene den Satz beginnt und das Kind ihn beendet „ich nehme meinen Teddy mit“.
    Kinder verstehen das Prinzip sehr schnell. Der zweite Satz ist der wichtigere, und daher wird das Kind wohl auch nur ihn sagen. Wenns mal nicht so klappt, nicht böse oder traurig sein. Kinder können sehr empfindlich sein und bei Fehlern oder Korrekturen sehr schnell „zumachen“. Lernen muss Spaß machen, auch sprechen lernen.

  4. Funda sagt

    Hallo!
    Könnt ihr mir vielleicht Tipps geben, wie man das laute Sprechen üben kann, für einen Vortrag oder fürs Theaterspielen? z.B. sich mit jemandem in 10 Meter Entfernung zu unterhalten und dabei laut und deutlich zu sprechen.
    Vielen dank im voraus. Funda

  5. Hallo Funda,
    prinzipiell heißt es hier nur üben. Wenn man dann ständigen Augenkontakt mit den Zuschauern hält, merkt man schnell, ob das Gesprochene ankommt.

    Eine kleine Rede oder ein Manuskript, das man gut kennt (um inhaltlich nicht ins Stocken zu geraten), eignet sich sicher recht gut zum Üben. Aber auch ein Gespräch über eine gewisse Distanz kann helfen, die eigene Stimme einzuschätzen.

    Wichtig beim lauten Sprechen sind Atmung, Körperspannung und angenehme Stimmhöhe, damit man die Stimme nicht überanstrengt.

    Ausschlaggebend ist zusätzlich der Raum: Ein Theater ist für Sprechsituationen ausgelegt, Seminarräume sind recht überschaulich und in größeren Sälen werden Mikrofone benutzt.

    Ich hoffe, ich konnte dir helfen. Es gibt einige gute Bücher über Rhetorik, die auch den Aspekt Stimme ansprechen, bzw. Stimmtrainings für Vorträge u.ä.

  6. Susanne sagt

    Ich hab da mal eine Frage!´das steht manchmal im kreuzworträtsel und die weiß ich nicht und das nervt mich unheimlich!:P und zwar:Ausruf des Ekels mit 4 Buchstaben…ich weiß das passt hier jetzt nichr so rein aber vielleicht seid ihr ja trotzdem so nett und beantwortet es mir! Wär echt nett!! Susa

  7. Gibt es einen Trick wie man beim lehr lauten sprechen – eigentlich schreien (jeweils nur kurze kommandos, diese müssen aber laute musik übertönen) vermeiden kann heiser zu werden?
    danke für eure tips

  8. Hallo Joe, das laute Sprechen von Kommandos ist eine der typischen Übungen beim Sprechtraining mit Lehrer: Dabei unterstützt man die Stimme durch die Atemstütze (wird auch von Sängern und Bläsern benutzt); durch Anspannen versch. Muskeln und kontrolliertes Atmen kann man mehr Kraft in die Stimme legen. Man soll aber nicht schreien!
    Aber es ist schwierig, diese Übung schriftlich zu beschreiben. Ein richtiger Unterricht wäre hier besser geeignet.

  9. Wow, jetzt erkennt man erstmal wie viele Facetten hinter der alltäglichen Sprache stecken. Besonders den Punkt des Sprachtempos finde ich wichtig. Viele Leute nehmen sich nicht die Zeit langsam und deutlich zu sprechen, was schnell unsympatisch herüberkommt.

  10. Interessanter Kurs, danke für die Zeit und Mühe die Du da hineingesteckt hast. Interessant wäre als Ergänzung vielleicht noch, wenn du kurze Videos aufnimmst und positive und negative Beispiele dort vormachst. Klar, wäre zuviel Aufwand, aber das würde das ganze noch perfekt machen.

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