Journal

Sprechtraining – Teil 4: Ausspracheregeln

Die deutsche Sprache besitz natürlich wie jede andere Sprache Regeln für die Aussprache. Damit nicht alle die Hände über dem Kopf zusammenschlagen aus Angst vor einem riesigen Regelwerk, habe ich die wichtigsten hier zusammengefasst. Jeder, der mit seiner Stimme an die Öffentlichkeit tritt, sollte diese Regeln also befolgen.

Diese Regeln orientierten sich früher an der Bühnenaussprache (Lehrbuch der Bühnenaussprache von Theodor Siebs) heute allerdings an der Aussprache von Nachrichtensprechern. Der Duden hatte einen wesentlichen Einfluss auf die Normen der Aussprache.

Es ist natürlich immer hilfreich ein Wörterbuch zur Hand zu haben, vor allem wenn man Fremdwörter vor sich hat. Wörterbücher enthalten die Aussprache der Wörter in Lautschrift, die die Aussprache exakt wiedergibt.

Ausspracheregeln

  1. Auslautverhärtung:
    Am Wort- und Silbenende werden b, d, g, s und v wie [p], [t], [k], [s] und [f] gesprochen.
  2. Am Wort und Silbenanfang wird st wie „scht“ und sp wie „schp“ gesprochen.
  3. ch wird gesprochen wie:
    • [x] nach a, o, u und au Bsp.: Bach, Loch, Buch
    • [ç] nach allen anderen Vokalen, nach l, n und r und in den Endungen -chen und -ig (ig wird im Regelfall immer als „ich“ gesprochen, nicht als [ik]). Bsp.: niedlich, Kirche, manch, Molch, Kindchen, König.
      Folgt dem -ig ein Vokal wird es als [ig] gesprochen; Bsp.: Könige.
    • [k] vor a, o ,u ,l ,r und s. Bsp.: Chaos, Chor, Chlor

    Die Aussprache von ch kann im Singular anders sein als im Plural! Beispiel: das Buch ([x]), die Bücher ([ç]).

  4. h wird nur am Wort- und Silbenanfang gesprochen.
    Wenn h ein Dehnungszeichen ist, bleibt es stumm.
  5. r wird in 2 Fällen als dunkles a, als Reduktionsvokal [?], realisiert:
    • zum einen am Silbenenden nach langem Vokal, Bsp.: er, Bauer,
    • oder in den Präfixen er-, zer-, ver-; innerhalb der Silbe wird das Suffix -er ebenfalls als Reduktionsvokal realisiert, Bsp.: weiter, Vater
  6. ein unbetontes e wird als Schwa [?] gesprochen, meist am Wortende oder in der Endung -en, Bsp.: Falle, haben

Eine Übersicht der Lautschrift-Symbole des Internationalen Phonetischen Alphabets, IPA, gibt es in der Wikipedia: Liste der IPA-Zeichen.

Nur ganz nebenbei: Sprechern aus Hannover wird die höchste Übereinstimmung mit dem sogenannten Hochdeutsch nachgesagt; ihre regionale Verfärbung ist also am geringsten.

Die anderen Teile der Reihe Stimmtraining:

Kategorie: Journal

von

Hallo, ich bin Nadja und arbeite als freie Webdesignerin in Berlin. Seit den 2000er-Jahren ist das Internet mein berufliches Zuhause, hier im cne _LOG schreibe ich erst seit Anfang 2006 zu den Themen Webdesign, Webstandards und vor allem auch Wordpress.

13 Kommentare

  1. Das hatte ich doch beinahe 2 wichtige Regeln vergessen: Die Ausprache von r und e in bestimmten Fällen.

    Ja, David, du hast Glück. Regionale Einfärbungen sind sehr schwierig wegzutrainieren.

  2. Am allerallerallerwichtigsten wäre der Hinweis auf die Ausprache von „ig“. Mit stellen sich die Nackenhaare hoch wenn jemand z.B. „zwanzik“… sagt. /ig/ am Wortende wird immer /ich/ ausgesprochen. Folgt nach dem /ig/ noch ein Vokal (kann auch ein paar Buchstaben später sein) dann wird es wie /ig/ oder /ik/ ausgesprochen = Kön/ig/e aber ein Kön/ich/. 😉

  3. Hallo Alex, da sieht man mal wieder, wie schnell einem Fehler unterlaufen: Es sollte natürlich anders heißen. Ich habs geändert.

  4. Ich nochmal: wegen /ch/ als [x] bzw. [ç]:
    /ch/ wird als [ç] gesprochen:
    • im Wortinneren und Wortende nach den vorderen Vokalen (ä, e, i, ö, ü, y), nach den Diphthongen (z.B. ai) oder nach Konsonanten
    • in der Verniedlichungssilbe -chen
    • am Wortanfang bei den meisten griechischen Wörtern

    /ch/ wird als [x] gesprochen:
    • im Wortinneren und Wortende nach den hinteren Vokalen (a, o, u) und nach /au/
    • am Wortanfang bei einigen Hebräischen Wörtern

    /ch/ wird als [k] gesprochen:
    • nach Vokalen vor einem zum Stamm gehörenden /s/ (Eidecks, Ochse)
    • am Wortanfang bei deutschen Eigennamen (Chiemsee)
    • Am Wortanfang griechischer Wort vor a, l, o, r

    /ch/ wird als /sch/ gesprochen:
    • bei französischen Wörtern

    /ch/ wird als /tsch/ gesprochen:
    • bei den meisten englischen und spanischen Wörtern

    (Aus: Der Ausspracheduden 🙂 )
    Gruß Alex

  5. Danke für den umfassenden Kommentar, Alex. (Meinen Aussprachewörterbuch vermisse ich seit geraumer Zeit 🙁 )

    Allerdings erinnere ich mich an einige Unterschiede zwischen Duden, WDA und unserem Institut in Bezug auf r und die Transkription anderer Laute. Unsere Prof wollten immer so nah wie möglich an der Realität sein. Wörterbücher sollten also immer desktiptiv sein, denn Sprache entwickelt sich, auch die Aussprache.

  6. diese ausführliche Anleitung hat mich sehr beeindruckt und ist mir sehr gut gefallen. Ich interessiere mich leidenschaftlich gern für Sprachen und Phonetik! :))
    Dass die Hannoverer mit den Regeln der richtigen Ausprache der deutschen Sprache übereinstimmen, erlebe ich sehr gerne, wenn ich Podcastings aus der Website des regionalen Rundfunks anhöre!
    Viele Grüße aus Pune – Indien,

    Ashutosh

  7. Marieluise Ritter sagt

    Man sollte (leider beinahe allen) deutschen Radio- und TV-Moderatoren auch mal sagen, dass „nf“ wie „nf“ gesprochen wird. Landauf, landab wird man von fümundfümfzig falschen Fümfzigern benuschelt – hängen die am Hamf oder haben sie zuviel Semf geschluckt? „Anfahrt“ und „Anfertigung“ können sie aber schon richtig, da müsste doch Rettung in Sicht sein?

  8. Das ist alles eine Frage der Übung, wobei sich so etwas schnell einschleicht und immer auch mit der eigenen Genauigkeit verbunden ist. Allein artikulatorisch ist die Verbindung „mf“ einfacher gebildet als „nf“.
    Zudem unterscheiden sich die beiden letzteren Beispiele durch die Silben (an+fahrt) von „fünf“ und Co.

    Und: Wie sprichst du „Auf Wiedersehen“ aus? Gibt es da noch ein „w“?

  9. christoph sagt

    Frage: Was wird mit der Aussprache der Endsilbe ig bei zusammengesetzten Worten? Könikreich oder Könichreich?

    • Nadja sagt

      Das große Große Wörterbuch der Deutschen Aussprache lässt beides zu, Siebs („Deutsche Aussprache“, ISBN 3-928127-66-7) empfiehlt hier die Verwendung von [ɪk] vor, aus „Gründen des Wohlklangs“, weil danach ein weiteres [ç] in „-reich“ folgt. Das gilt ebenso für „königlich“ und „lediglich“.

      Ich sehe beide Wörter als Ausnahme, da andere Wörter mit ähnlicher Konstellation das [ç] verwenden, z.B. „einzigartig“.

  10. Ingrid Schmoll sagt

    Meine Frage zu -ig-:
    Ich kenne die Regel, dass am Wortende/Silbenende -ig- wie -ch- ausgesprochen wird.
    Wie ist die Aussprache in Wörtern wie „gekreuzigt“, „geheiligt“ oder „entschuldigt“? Ich spreche hier „g“ wie „g“ aus. Ist das richtig?
    Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar.

    Mit freundlichem Gruß
    Ingrid Schmoll

    • Nadja sagt

      Hallo Ingrid,
      auch hier müsstest du „gekreuzicht“ sprechen, also [ɡəˈkʀɔɪ̯ʦɪçt]
      Im Duden online am Beispiel von „erledigt“ auch zum Anhören:
      erledigt

      Nadja

Kommentare sind geschlossen.