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Kleine Fallstrickstudie

Durch Zufall bin ich auf Reinhard Meys Website gelandet. Künstler haben oft besonders ausgefallene Webseiten mit oft nicht sofort zugänglichen Bereichen, diese jedoch wirkt auf den ersten Blick aufgeräumt, fast nüchtern und übersichtlich. Einzig ein herkömmliches Menü fehlt. Dafür wirbt die Seite für ein anderes Prinzip, das der assoziativen Navigation:

Die assoziative Navigation ermöglicht Ihnen dabei einen einfachen Einstieg in das umfangreiche Angebot.

In der ersten Ebene ist das auch ganz gut nachvollziehbar, hat der Besucher die Wahl zwischen inhaltlich getrennten und farblich markierten Bereichen:

Navigation reinhard-mey.de

Eine assoziative Navigation lebt von den Verknüpfungen der Begriffe unter einander (s.u.). Hier allerdings haben wir ein lineares Menü, das umständlicherweise in die Form einer Art Mindmap gepresst wurde. Warum umständlich? Nun, immer der Reihe nach.

Bereits eins, zwei Klicks weiter wird es schwierig, auseinanderzuhalten, welcher Link nach vorn, welcher zurück zur Elternebene führt. Das mag an den gewählten Farben liegen. Ich finde aber auch die Darstellung der Hierarchie wenig gelungen.

3. Ebene der assoziativen Navigation reinhard-mey.de

Auch hier hätte man besser eine einfache Liste nutzen können und sollen.
Besonders anmaßend finde ich die ständigen Anweisungen des Systems. Ich solle mir einen Buchstaben aus der Liste (welche, bitteschön?) aussuchen und andere Hinweise.

Richtig chaotisch wird es aber in den Tiefen dieses Netzes an Verknüpfungen:

Navigation Liedertexte unter Buchstabe D reinhard-mey.de

Wie soll man das lesen können? Ich bin wirklich verwirrt.
Aber endlich hält der Hauptbereich rechts eine Liste mit allen Titeln für mich bereit.

Leider funktioniert der Zurückbutton des Browser hier nicht und ich muss mir meinen Weg durch die assoziative Navigation suchen.

Echte assoziative Navigationen

Im Kapitel 4 (Chapter 4. Types of Navigation) des Buches „Designing Web Navigation“ von James Kalbach wird kurz auf assoziative Navigationen eingegangen. Aussage:

Connects pages with similar topics and content, regardless of their location in the site; links tend to cross structural boundaries.

Ein solches Menü verbindet also Seiten ähnlicher Themen und Inhalte, unabhängig von ihrer Position innerhalb der Website; Links neigen außerdem dazu strukturelle Grenzen zu kreuzen. Sie sollen den Weg zwischer Usererwartung und Ziel durch neue Wege verkürzen. Eines der bekanntesten Systeme sind Tag Clouds.
Aber auch Happy Cog benutzt eine (einfache) assoziative Navigation:

assoz. Navigation von happycog.com
Anstelle eines Menüs gibt es hier einen kurzen Überblick (in einem Satz), der alle wichtigen Bereiche der Site zugänglich macht.

Das Gebiet der assoziativen Navigation ist spannend, bietet neue Ansätze (Semantic Web vs. Hypertext) und wird in den nächsten jahren sicher noch haufiger und wohl auch perfekter zum Einsatz kommen.

Im Fall von Reinhard Meys Website das sprichwörtliche Pferd allerdings von hinten aufgezäumt. Hier hätte ein herkömmliches Menü bzw. in abgespecktes Menü plus die erweiterten Inhalte vollkommen gereicht. Nein, es wäre einfacher zu benutzen.

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Hallo, ich bin Nadja und arbeite als freie Webdesignerin in Berlin. Seit den 2000er-Jahren ist das Internet mein berufliches Zuhause, hier im cne _LOG schreibe ich erst seit Anfang 2006 zu den Themen Webdesign, Webstandards und vor allem auch Wordpress.