Alltag

Ist eine schlechte Website besser als gar keine?

Bezug nehmend auf den letzten Beitrag „Wie lange dauert ein Relaunch?“, sind mir einige andere Fragen eingefallen, die für jeden Webdesigner interessant sind. Auf einige habe ich meine Antwort gefunden, immer abhängig von meinen persönlichen Bedürfnissen als Besucher.

Aber nun zu den Fragen:
Ist eine schlechte Website besser als gar keine?

Ich sage Ja, denn immerhin kann ich auf eine Website mit wenig durchdachter Usability oder lückenhaften Informationen mehr erfahren als wenn keine Website exisitiert. Sicherlich sind buntflackernde Grafiken für einige abschreckend, andere (vielleicht auch der Websitebetreiber) finden sie ganz toll. Comic Sans mag für mich furchtbar sein, andere wiederum stören sich nciht daran, weil sie eben nach Informationen suchen.
Auch wenn es eine Vielzahl von Webseiten gibt, die mir eben nicht alle Informationen bieten, enthalten sie zumindest eine Telefonnummer oder Adresse, unter der ich mehr erfahren kann.

All dies ist Teil eines Urteils, das ich mir auf jeder Website bilde. Egal ob gut oder schlecht. Aber:

Ab wann ist eine Website schlecht?
Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich bin oft pingelig und finde überall etwas zum Kritisieren.
Ich weiß, dass es meist um den Inhalt geht, Informationsaufnahme.
Trotzdem bleibt der erste Eindruck, den ich meist unmittelbar nach dem Öffnen der Website habe. Und hier entscheiden die optischen Dinge natürlich zuerst: Farben, Grafiken, Layout. Die Hülle spricht mich beim Surfen ebenso an wie beim Essen. Das Auge isst mit.

Was sagt das nun über mich als Besucher aus?

Sehe ich eine solche „schlechte“ Seite, fühle ich mich an die Anfänge des Webs erinnert: Times New Roman oder Comic Sans, blinkende GIFs und mehr. Ich bin besseres gewöhnt. Und das scheint das Problem zu sein!
Als Mensch, der in einem Umfeld arbeitet, in dem täglich Entscheidungen über die Optik getroffen werden müssen, entwickelt man zwangsläufig einen „erlesenen Geschmack“, der von den vielen (3-, 4-, 5-) Sterne-Webseiten verwöhnt ist. Der Gaumen möchte verwöhnt werden. Wenn man aber nicht nur Gourmet ist, sondern auch noch kochen kann, ist das Dilemma perfekt. Man setzt die eigene Messlatte entsprechend hoch und stellt an andere dieselben Forderungen wie an sich selbst.

Was sagt das nun über den Websitebetreiber aus?

Ihn kümmerts nicht. Denn er richtet seinen Blick auf – für ihn wichtigere – Dinge.
Oder er weiß es nicht besser. Denn er wurde vielleicht schlecht beraten, kennt sich im Netz nicht gut aus oder findet es vielleicht gut wie es ist.
Ist er Gourmet? Offentsichtlich nicht, wird mein Urteil sein. Ebenso wenig Koch, denke ich.

Wie auch immer: Zwischen mir, dem Besucher, und dem Besitzer der Website gibt es eine Kluft, die ich manchmal auch beim Kunden erlebe. Aber wenn er schon Hamburger mit Fritten möchte, dann zumindest einen der mir auch schmeckt.

Wie geht es euch? Bevorzugt ihr Feinschmecker-Webseiten? Wie erlebt ihr geschmackliche Entgleisungen im Web?

Kategorie: Alltag

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Hallo, ich bin Nadja und arbeite als Webdesignerin in Berlin. Seit den 2000er-Jahren ist das Internet mein berufliches Zuhause, hier im cne _LOG schreibe ich erst seit Anfang 2006 zu den Themen Webdesign, Webstandards und vor allem auch Wordpress.

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