Alltag

Definitionsfragen

Was macht du eigentlich so?

Ein harmlos beginnendes Gespräch artete in einer hitzigen Diskussion aus. Wieder einmal. Wir haben uns über Berufsbilder und Arbeitsumfelder unterhalten. Als freier Webdesigner umfasst man seinen Job so wie es offiziell auch in den Berufsinformationen des Arbeitsamtes wiedergegeben wird:

Web-Designer/innen gestalten Bildschirmseiten unter ästhetischen und funktionalen Gesichtspunkten. Dazu gehören hauptsächlich Internet- und Intranet-Auftritte. Das beginnt mit der Beratung des Kunden bei der Gestaltung von Bildschirmseiten für das Internet oder das firmeninterne Intranet. Dem folgt die Konzipierung und Realisierung des Designs von Homepages und einzelnen Bildschirminhalten mit Hilfe von diversen Softwareprogrammen unter Beachtung der redaktionellen, technischen, finanziellen und produktspezifischen Anforderungen und Gegebenheiten.

Wichtig bei der Arbeit ist, dass die Inhalte der einzelnen Seiten gut aufgeteilt und nicht überfrachtet werden, der Nutzer mittels Links oder Buttons durch die Anwendung geführt wird und die Gestaltung der Bedieneroberfläche übersichtlich und verständlich bleibt.

Quelle: BERUFENET

Genau das ist es: Nicht nur ein bisschen HTML und CSS (wie vielleicht der 16-Jährige von nebenan auch), sondern Design, Form, Usablity und Funktionalität. Um all das kümmere ich mich als Webdesigner ebenso.

Merkwürdig wird es aber, wenn andere, die eigene Arbeit scheinbar nicht zu würdigen wissen. Besonders dann, wenn der Webdesigner ein Glied in einer langen Kette ist und sich um die Verknüpfung des Designs (von einem Grafiker/Designer erstellt) mit dem Backend (vom Programmierer) kümmern muss. Aufhübschen, sozusagen.

Hinzukommen falsch verstandene Bilder von Agenturen oder Fachfremden (die sich aber wesentlich leichter belehren lassen), die meinen, ein Webdesigner sei lediglich ein Online-Redakteur, der sich um die Pflege von Inhalten kümmert.

Dass dann die Ergebnisse oftmals nicht den Erwartungen entsprechen, wird besonders deutlich, wenn zwischen allen Beteiligten keine Kommunikation hinsichtlich der Planung und Umsetzung eines Projekts stattfindet. Gescheiterte Kommunikation at its best:

There are at least three aspects to sites: information, experience, and interaction – fact (or fiction), form, and function, if you will. The most appropriate design for a site depends on the relative importance of each of these.

Quelle: George Olson „A Failure to Communicate“

In a typical work environment, these seemingly separate factions are, in fact, separated. Designers sit in their area, developers in theirs. But this is a critical mistake. Because technologists tend to grasp CSS as a technical language, while designers are trained in aesthetics, separating them does nothing to advance our understanding, education, and progress. My first recommendation is that we use the buddy system to solve this problem, and get developers and designers working together.

Quelle: Molly E. Holzschlag „Transcendent CSS: Creating the Aesthetic Web“

Es wird wirklich Zeit, die Köpfe zusammenzustecken, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten und die Arbeit des anderen schätzen zu lernen. Und ebenso die eigene.

Kategorie: Alltag

von

Hallo, ich bin Nadja und arbeite als freie Webdesignerin in Berlin. Seit den 2000er-Jahren ist das Internet mein berufliches Zuhause, hier im cne _LOG schreibe ich erst seit Anfang 2006 zu den Themen Webdesign, Webstandards und vor allem auch Wordpress.

2 Kommentare

  1. Hi,
    was ich an dieser Berufsdefinition nicht mag, ist der Begriff Bildschirmseiten. Wenn eine Webseite vorgelesen wird, dann hat das z.B. mit Bildschirm absolut Nix zu tun. Warum kommt z.B. Niemand auf die Idee, einen Webdesigner mit einem Toningenieur oder einem Hörbuch-Author zu vergleichen? Das macht genausoviel resp. genausowenig Sinn wie einen Webdesigner mit einem GUI-Designer zu vergleichen. Ein Webdesigner ist zunächst erstmal ein Informationsdesigner, mit fachübergreifenden Kompetenzen in Medieneinsatz und -Gestaltung, und manchmal auch mit journalistischen Kompetenzen. Der verbreitete Irrtum, Webdesigner und GUI-Designer wären das Gleiche, führt zu Webseiten, die rein nach visuellen Anforderungen gestaltet sind.

  2. Hallo Siegfried, die Definition klingt wirklich staubig. Wichtig war mir in diesem Zusammenhang eine Umschreibung des Berufsfeldes.

    Der Vergleich Web- und GUI-Designer ist ebenfalls einer, der mir häufig begegnet. Oft liest man auf englischen Seiten vom Interface-Designer. Aber auch der GUI-/Interface-Designer muss sich nicht nur mit gestalterischen Aspekten auseinandersetzen, sondern auch mit Benutzerführung/Usability.

    Die Reduzierung auf „simples HTML und CSS“ ist eine Geringschätzung, die vor allem in größeren Projekten stören kann und die Arbeit des Webdesigners unterschätzt.

    Die Schwierigkeit im Web liegt zum großen Teil an der Offenheit des Mediums bzw. der Möglichkeit, mit einer Website alles mögliche anzustellen. Dazu gehören die Benutzung von Webseiten durch Menschen mit Behinderungen oder Maschinen, die alle mit Informationen versorgt werden müssen. Das das allein nicht mit optischen Mitteln erreicht werden kann, ist bekannt.

    Und wie so oft hilft nur gute Kommunikation, das Abgrenzen von Gebieten bzw. oft eine übergreifende Zusammenarbeit, in der alle ihre alte Position verlassen und sich gemeinsam neu positionieren müssen.

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