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Auf der Suche nach dem heiligen Gral: Das beste CMS

Eines vorweg: Dieser Beitrag basiert auf meinen Erfahrungen, ist voll von persönlichen Sichtweisen und soll daher nur als Orientierung dienen für all jene, die sich aufgrund der Masse an CMS nicht immer sicher sind, welches System nun das Beste (fürs Projekt, für jeden selbst) ist.

Bestandsaufnahme – Welche Systeme gibt es?

Die Liste der verfügbaren Content Managment Systeme ist endlos, jede Woche kommen scheinbar neue hinzu. Dominierend sind jedoch PHP-Lösungen wie WordPress, TYPO3, Drupal und Joomla.
Glauben wir den aktuellen Marktanalysen ist WordPress DAS CMS, zumindest wird es im internationalen Vergleich auf 60,2% der CMS-basierten Webseiten eingesetzt. Die Umfrage der Webkrauts unter Webworkern aus D-A-CH ergab ein ähnliches Bild:

13% der Befragten geben an, kein CMS zu nutzen. Von den vielen vorgegebenen Systemen stechen erwartungsgemäß nur ganz wenige heraus. 62% nutzen WordPress, 27% Typo3, 23% Contao und 15% Drupal.
Jetzt wissen wir es — http://webkrauts.de/artikel/2014/jetzt-wissen-wir-es

Sehen wir uns also die Top-Möglichkeiten an.

WordPress

Vom Blogsystem zum CMS

WordPress basiert auf PHP und MySQL, ist frei erhältlich, schnell installiert und wird allen Ansprüchen an ein einfaches und kleines Redaktionssystem gerecht. Der Ursprung von WP liegt eindeutig im Bloggerumfeld. Auch ich habe vor 10 Jahren meinen ersten Blog mit WordPress aufgesetzt. Und so unterscheidet das System noch immer zwischen (Blog)-Beiträgen und Seiten und manche bekannte CMS-Funktion sucht man im nackten System vergebens, durch das Nutzen von Plugins, umfangreichen Themes oder Eigenentwicklungen lassen sich aber eine Vielzahl von Inhalten darstellen. Mit der wachsenden Beliebtheit hat das System jedoch seine Einfachheit verloren und ist oft viel behäbiger als klassische CMS.

Vorteile von WordPress:

  • einfache Installation und schnelle Einrichtung
  • riesige Auswahl an freien und kostenpflichtigen Themes, die verschiedene Erweiterungen mitbringen
  • Erweiterungen wie Plugins und Widgets ermöglichen jede Menge Funktionen
  • gute Möglichkeiten der Suchmaschinenoptimierung

Nachteile von WordPress:

  • hohe Anforderungen an den Datenbankserver bei vielen Besuchern
  • häufige Updates von Core und Plugins, leider teilweise mit gravierenden Sicherheitsrisiken
  • begrenzte Einstellmöglichkeiten des Backends
  • keine integrierte Mehrsprachigkeit
Ich nutze es, wenn das Projekt Blogcharakter hat oder aufgrund der geringen Komplexität schnell aufgesetzt werden muss. Schont auch das Budget.

TYPO3

Das CMS-Flaggschiff

TYPO3 ist wohl das bekannteste Open-Source-CMS und findet vor allem im Enterprise-Umfeld Anwendung. Durch seinen enormen Funktionsumfang eignet es sich vor allem für große Internetplattformen und Portallösungen.

Vorteile von TYPO3:

  • weitverbreitet, große Entwicklergemeinde
  • hohe Funktionsvielfalt, Flexibilität und Erweiterbarkeit
  • Support von Mehrsprachigkeit und Multi-Domain
  • große Anzahl an Extensions und qualifizierten Entwicklern

Nachteile von TYPO3:

  • hochwertige Serverumgebung benötigt
  • erhöhte Einarbeitungszeit für Entwickler und Redakteure/Anwender
Hier komme ich nicht ohne einen speziellen TYPO3-Entwickler aus, der sich um all die technischen Kniffe kümmert. Ich bin dann fürs HTML/CSS und den Inhalt zuständig.

Contao

Das Best-of-CMS

Contao, bis 2010 TYPOlight genannt, ist eine Art Best-of verschiedener anderer Systeme aus dem deutschsprachigen Raum. Das Open Source CMS erfreut sich wachsender Beliebtheit, laut Hauptentwickler Leo Feyer läuft es auf rund 50.000 Webseiten. Durch klare Bedienung, hohe Sicherheitsstandards und viele leicht einsetzbare Erweiterungen eignet sich das Open Source CMS Contao sowohl für große als auch kleine Lösungen.

Alle Funktionen: Contao Open Source CMS Funktionen

Vorteile von Contao:

  • einfache Bedienung, übersichtliche Architektur
  • zahlreiche sinnvolle Erweiterungen
  • umfangreiches Rechtesystem auf Benutzer- oder Gruppenebene und intergrierte Funktionen wie Mehrsprachigkeit, Multi-Domain-Spport und sprechende URLs
  • schlankes, schnelles System mit integriertem Caching und Minify-Funktionen

Nachteile von Contao:

  • Implementierung der Templates erfordert Erfahrung
  • bei größeren Seiten und mehrsprachigen Inhalten leidet die Übersichtlichkeit
  • im Ausland nahezu unbekannt
Für mich das Schweizer Messer für kleine bis große Webseiten, die individuell auf den Kunden zugeschnitten sein sollen. Danke Catalog und MetaModels sehr flexibel im Einfügen von Inhalten. Wenn es keine passende Erweiterung in der Community gibt, kann man auch sein eigenes Modul schreiben.

Drupal

Drupal ist ein Baukastensystem, das mit einem schlanken Kern und unzähligen Modulen kommt. Es besitzt ein differenziertes Rechtesystem und unterstützt daher vor allem den Aufbau von Community-Seiten mit User-Generated-Content und bringt Funktionen wie Blogsystem, Tag Clouds und Foren mit.

Vorteile von Drupal:

  • relativ flexibel, modular aufgebaut, große Entwicklergemeinde
  • Backend übersichtlich und individuell gestaltbar

Nachteile von Drupal:

  • Allerdings ist es nicht so einfach, das Backend anzupassen.
  • neue Funktionen müssen durch umfangreichen Eingriff im Backend integriert werden
  • bei vielen Modulen leidet die Performance
Auch war ich bisher kleines Zahnrad in größeren Entwicklerteams, die sich um komplexe und individuelle Internetauftritte kümmeren.

Joomla

Bisher – und das wird sich wohl auch nicht ändern – habe ich Joomla nicht genutzt, ich kenne es aber noch unter dem Namen Mambo. Joomla ist ein Open Source CMS mit komplexer Rechteverwaltung und eignet sich sowohl für kleine Webseiten als auch umfangreiche Firmenseiten.


Meine Auswahl

Letztendlich finde auch mich in der Situation, durch Erfahrungen über die Jahre eine kleine Vorliebe entwickelt zu haben. Das liegt natürlich an Art und Anforderungen der betreuten Projekte, an Kollegen, die früher oder später eine Empfehlung aussprachen oder an den Herausforderungen, denen ich mich stellen musste. Man wächst mit seinen Aufgaben.

Daher meine Favoriten:

  1. Contao
  2. WordPress
  3. kein CMS – Good Ol‘ statische HTML-Seiten

So nutze ich für einen Großteil meiner Projekte Contao. WordPress verwende ich vor allem, weil ich von Agenturen oder Partnern genau dafür gebucht werde: In Blogs oder gerne auch dann, wenn der Redakteur oder Projektmanager nicht mehr weiterweiß, springe ich ein — auch wenn ich oft genug ein anderes System gewählt hätte, wenn ich gefragt worden wäre.

Für viele einfache Projekte (bis 10-15 Seiten) „genügen“ auch statische HTML-Seiten, die oftmals schneller laden, sicherer und (für mich, nicht den Redakteur) einfach zu pflegen sind. Viele Gründe davon brachte Nicolai Schwarz bereits 2007 bei den Webkrauts: Pro und Contra: CMS für kleine Webseiten?.

Mittlerweile gibt es auch schlanke CMS wie Kirby und Letterpress, die die Lücke dazwischen schließen wollen. Verwendet habe ich das eine oder andere, offensichtlich hielt sich meine Begeisterung in Grenzen.

Und Ihr? Welche System nutzt ihr am meisten, am liebsten oder gar nicht?

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von

Hallo, ich bin Nadja und arbeite als freie Webdesignerin in Berlin. Seit den 2000er-Jahren ist das Internet mein berufliches Zuhause, hier im cne _LOG schreibe ich erst seit Anfang 2006 zu den Themen Webdesign, Webstandards und vor allem auch Wordpress.

2 Kommentare

  1. Karo sagt

    Da ich gerade auf der Suche nach einem Tool zur Erstellung von Websites bin, freue ich mich diese Auflistung gefunden haben. Allerdings bin ich eher auf der Suche nach einen Offline CMS, da ich auch gerne von unterwegs Text verfasse aber nicht ständig online sein kann. Gibts hierfür auch einen kleinen Zusammenstellung?

    Grüße

  2. Nadja sagt

    Hallo Karo,
    möchtest du regelmäßig neue Inhalte hinzufügen? Wäre dann ein Blog das Richtige für dich?
    Für WordPress bspw. gibt es eine App fürs Smartphone, mit der man auch von unterwegs bloggen kann, Oder man sendet seinen Blogbeitrag an eine extra eingerichtete E-Mail-Adresse.
    Bei allen CMS muss man ja auch nur dann online sein, wenn man Änderungen vornimmt. Texte an sich lassen sich in jedem Textverarbeitungsprogramm vorbereiten.

    Nadja

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