Webstandards

Programmierer und Webstandards

Nach der Übersetzung von Roger Johanssons Artikel Why standards still matter durch einige Webkrauts habe ich mich selbst mit einer der angesprochenen Gruppen unterhalten:

Backend-Programmierer, die nicht mit der benutzerseitigen Gestaltung in Berührung kommen wollen und deshalb auf automatisch erstelltes HTML, CSS und JavaScript zurückgreifen.

Weshalb Webstandards immer noch wichtig sind

Wie wichtig die Aufklärung rund um Webstandards gerade hier ist, zeigen die folgenden Fragen:

  • „Bevor wir darüber reden, musst du erst einmal erklären, was du mit Webstandards meinst.“
  • „Warum redest du mit mir darüber? Wäre ein Templatedesigner nicht ein angemessenerer Gesprächspartner?“
  • „Was kann ich denn daran ändern?“
  • „Warum soviel Aufwand für ein bisschen HTML?“

Nachdem diese Fragen (das ist der Kampf für Standards: Aufklärung) geklärt waren, kam die Diskussion in Schwung.
Als ich bemerkte, dass die Forderung nach ebenso sauberem HTML-Markup der Forderung nach sauberem PHP-Code entspricht, war es amüsant zu sehen, dass mein Gegenüber dies mit einem Nicken bestätigen musste.

Denn natürlich liegt ihnen etwas an sauberem Code, schließlich versuchen sie auch ihre Scripte, in diesem Fall meist in PHP, sauber zu halten. Sie verwenden also gewisse Standards, um eine möglichst hohe Erfolgsrate zu erreichen. Hinzu kommt aber, dass die betroffenen Projekte oftmals nach dem MVC-Modell umgesetzt werden: MVC bedeutet Model View Controller und ist ein Muster für die Aufteilung in die Einheiten Datenmodell (engl. Model), Präsentation (engl. View) und Programmsteuerung (engl. Control) [siehe Wikipedia].

Hier kommt es also dazu, dass ein Programmierer oftmals gar keinen Einfluss auf die Darstellung von Daten hat. Er speichert sie in Datenbanken, stellt Platzhalter zu Verfügung, die dann wiederum von Template- bzw. Webdesignern in die View eingebaut werden. Das mag auch eine Art Schutz sein, hinter dem sich Programmierer verstecken können, wenn es um die Einhaltung von Webstandards geht. Hier wird oft der Weg des geringsten Aufwandes gegangen, denn warum sollte sich jemand in die Arbeit eines anderen einmischen?
(Aus demselben Grund, weshalb er auch die Scripte anderer Programmierer betrachtet und bewertet: Weil er den Erfolg des gesamten Projektes will. Aber dies nur am Rande.)

Aber ich habe in diesem Gespräch auch erfahren, dass Programmierer oft eine Testdarstellung erstellen, in der sie ihre Scripte und deren Ergebnisse testen. Diese Templates sind natürlich oft weit von dem fertigen Ergebnis entfernt, aber einer der Programmierer setzt selbst hier zunehmend Webstandards ein. So verblüffte er andere Entwickler in seiner Abteilung mit der Erklärung, Tabellen müssen aus den Bereichen thead, tfoot und tbody bestehen und die Elemente summary und caption enthalten. Aber er meinte im gleichen Atemzug, „Du wirst aber nie einen Programmierer dazu bringen, nur eine Überschrift ersten Grades (h1) zu verwenden. Vor allem, wenn es nur sein Testtemplate betrifft. Aber wir sind natürlich froh, wenn wir unten den grünen Haken sehen.“

Um also eine Diskussion für Webstandards voranzubringen, müssen wir wieder zur guten alten Kommunikation zurückkehren und die Aufgaben der einzelnen Projektmitarbeiter verstehen lernen.

Und wir müssen, wie Johansson in seinem Artikel bemerkt, davon ausgehen, dass nur die wenigsten Blogs – und erst recht zu Fachgebieten (auch wenn es ihre eigenen sind) – lesen. Ich habe jetzt neue „Opfer“ gefunden, denen ich Webstandards näher bringen kann und werde. Aufklärung auf dem althergebrachten Weg, persönlicher Kommunikation.

Kategorie: Webstandards

von

Hallo, ich bin Nadja und arbeite als freie Webdesignerin in Berlin. Seit den 2000er-Jahren ist das Internet mein berufliches Zuhause, hier im cne _LOG schreibe ich erst seit Anfang 2006 zu den Themen Webdesign, Webstandards und vor allem auch Wordpress.

9 Kommentare

  1. Pingback: Script Artists | Warum auch Programmierer auf Webstandards Wert legen sollten

  2. Um also eine Diskussion für Webstandards voranzubringen, müssen wir wieder zur guten alten Komunikation zurückkehren und die Aufgaben der einzelnen Projektmitarbeiter verstehen lernen.

    Säts se Knäcking Point 🙂

  3. Und es ist erstaunlich, wie sehr man aneinander vorbei reden kann.

    PS: Juhr Inglisch iss wanderfull!

  4. Davon kann ich ein Liedchen singen, du sprichst mir aus der Seele Nadja.

    Wieso auch sollte sich der „superwichtige“ Programmierer darum kümmern, wie seine „allerwichtigste“ Arbeit aussieht? 😉

    Wie hast du denn besagte Fragen geklärt?
    Auf die „Haudegen“-Art oder in einem langen und harten Kampf?

  5. Ich habe zu allererst geklärt, was Webstandards sind und dann gefragt, wie ein übliches Projekt abläuft. Obwohl in diesem Fall die Programmierer im seltesten Falle die Templateumsetzung vornehmen, haben sie dennoch Einfluss auf das Ergebnis. Und sie können Änderungen vorschlagen bzw. mit den Templatedesignern u.a. zusammenarbeiten.

    Ich glaube das Wichtigste im Gespräch war, sie davon zu überzeugen, wie groß ihr Einfluss auf das Ergebnis ist, wenn sie ihre üblichen Bereiche verlassen und die Kommunikation suchen. Und dass man sich in jedem Fall mit allen Beteiligten austauschen muss.

    In allen bisherigen Projekten war mir Kommunikation immer sehr wichtig. Schon allein, um zu ganz genau wissen, was die Ziele und Herangehensweisen der anderen sind.

  6. „Ich habe zuerst erklärt, was Webstandards sind …“

    Eigentlich schade. Ich frage immer: „Was könnt ihr euch denn so unter ‚Webstandards‘ vorstellen. Los, sagt schon.“

    Meine Erfahrung: So sehen sie’s schneller ein, weil sie glauben, ganz alleine auf die Idee gekommen zu sein.

  7. Pingback: Intervisual

  8. um einmal auf das kommende HTML5 zu kommen, es wurden ja noch nicht einmal sämtliche Vorgaben von HTML4 umgesetzt. Was bringen dann neue Standards?

  9. HTML5 (der Code-Name für Web Applications 1.0) setzt sozusagen da an, wo HTML 4 aufgehört hat: Es soll rückwärtskompatibel sein zu anderen HTML-Versionen und ebenso zu XHTML.
    Und es bietet neue Möglichkeiten, mit weniger, aber sinnvollerem Markup genau die Dinge genau so umzusetzen, wie man es beabsichtigt.
    Präsentationsmarkup wird überflüssig und auch die Browser sollen korrekt angesprochen werden.

    Ob und in wieweit Webstandards von Webentwicklern umgesetzt werden, hat mit der Entwicklung eines neuen Auszeichnungsstandards nichts zu tun.

    Der Begriff Webstandards umfasst alle aktuellen Standards (Struktur, Präsentation, Objektmodell und Skriptsprachen) und deren sinnvolle Nutzung (valider, semantischer und zugänglicher Code), um den Nutzern und uns selbst den größtmöglichen Nutzen zu bringen.
    Das kann und soll ein neuer Standard (HTML5) ermöglichen und erleichtern.

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