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Die Evaluierung von Webseitenzugänglichkeit Teil 1, Hintergrund und Vorbereitung

Dieser Artikel ist eine Übersetzung des Artikels “Evaluating Website Accessibility Part 1, Background and Preparation” von Roger Johansson. Alle Rechte am Artikel bleiben beim Autoren. Für weitere Informationen und Artikel zum Thema Webstandards besuchen Sie seine Seite 456 Berea Street.

Die Einhaltung von Standards und Richtlinien für Zugänglichkeit werden in mehr und mehr Ländern für Regierungsseiten und öffentliche Institutionen zwingend. Das wiederum erfordert von den Personen, die diese Webseiten erstellen und pflegen, in der Lage zu sein, zugängliche Webseiten zu erstellen und die Zugänglichkeit zu bewerten.

Für viele Personen, sowohl Webentwickler als auch Webseitenbesitzer, ist die Zugänglichkeit von Webseiten neu und schwer zu bewerten. Diese dreiteilige Artikelserie möchte es den Nicht-Fachkundigen einfacher machen, einen grundlegenden Zugänglichkeitscheck durchzuführen. Ich hoffe sie wird hilfreich genug sein, um zumindest ein paar Webseiten zugänglicher zu machen.

Die Serie besteht aus folgenden Artikeln:

  1. Die Evaluierung von Webseitenzugänglichkeit Teil 1, Grundlagen und Vorbereitung (dieser Artikel) gibt Hinterdrundinformationen und stellt einige hilfreiche Tools für den Evaluierungsprozss vor.
  2. Die Evaluierung von Webseitenzugänglichkeit Teil 2, Grundlegende Prüfabschnitte erklärt Aspekte der Zugänglichkeit, die sowohl mittels automatisierter Tools als auch relativ einfacher manueller Prüfungen getestet werden können.
  3. Die Evaluierung von Webseitenzugänglichkeit Teil 3, Das Nachhaken betrachtet Gesichtspunkte, die nur schwer mit automatisierten Tools getestet werden können und mehr Zeit und/oder Erfahrung bei der manuellen Überprüfung erfordern.

Beachten Sie, dass das einfache Abarbeiten der Prüfabschnitte, die in diesem Artikel beschrieben werden, eine Prüfung mit wirklich behinderten Personen, die Screenreader oder andere Hilfsmittel benutzen, nicht ersetzen kann. Aber falls Sie nicht die Mittel für eine solche prüfung habenhaben, bieten die hier beschriebenen Punkte eine gute Grundlage für die Bewertung der Zugänglichkeit Ihrer Website.

Hintergrund

Eine gebräuchliche Definition von Web-Zugänglichkeit ist der Zugang zum Web für alle, unabhängig von Behinderungen. Diese Definition deutet an, dass Zugänglichkeit nur für Personen mit Behinderungen gilt. Es mag die offizielle Definition von Zugänglichkeit sein oder nicht, aber ich finde es zu engstirnig, und ich bin nicht der Einzige. Robert Nyman, zum Beispiel, denkt über das Thema in seinem Artikel “What is Accessibility” nach.

Wenn ich Zugänglichkeit in diesem Artikel (und an anderer Stelle) aufführe, meine ich Zugänglichkeit in weiterem Sinne, das schließt ebenso eine Unabhängigkeit von Hilfmitteln ein – allgemeiner Zugang, unabhängig von Behinderung, Brwoser oder Betriebssystem. Das Internet sollte allen zugänglich sein.

Ein kurzer Blick auf verschiedene öffentliche Dienste hier in Schweden (und in weiten Teilen der Welt) zeigt eine traurige Gegebenheit auf. Die Entwickler vieler dieser Seiten sind daran gescheitert, ihre Webseiten auf Standards basierend und zugänglich für alle aufzubauen. Selbst erst kürzlich neu entworfene und umgestaltete Seiten scheitern kläglich daran. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man bei einem Blick auf den Quelltext vieler Seiten meinen, es wäre erneut das Jahr 1997. Das trifft ebenso für Seiten zu, die 2006 neu gestaltet wurden. Erbärmlich.

Für weitere Informationen zur aktuellen Benutzung von Webstandards auf öffentlichen Webseiten in aller Welt empfehle ich die Lektüre der Artikel “Government web standards usage: USA”, “Government Web Standards Usage: New Zealand”, “Government Web Standards Usage: People’s Republic of China” und “Mätnign av grundläggande tillgänglichkeit” (auf Schwedisch).

Webstandards sind nicht mit Zugänglichkeit gleichzusetzen, aber die Benutzung von Webstandards ist ein wesentlicher Bestandteil vom Aufbau einer zugänglichen Website, und die Validierungsergebnisse weisen nomralerweise darauf hin, ob generell Mühe aufgewandt wurde, eine Seite zugänglich zu gestalten.

Wenn man die Ergebnisse der Massenvalidierung staatlicher schwedischer Websites, durchgeführt von Verva (Schwedische Verwaltungsentwicklungsbehörde), betrachtet, wird ein bedauerlicher Nebeneffekt des Validierungsaufwandes sichtbar. Seit der ersten Validierungsreihe haben viele Webseiten den Quelltext ihrer Startseiten nur soweit verändert, um ihn valide zu machen, aber sie benutzen immer noch Markup, das sich auf die Präsentation bezieht, gewaltige Mengen an eingebettetem CSS, Layouttabellen und Spacer-GIFs mit nutzlosem alt-Attribut. Diese Art des Lippenbekenntnisses widert mich an, und ich habe mehr Respekt vor denjenigen, die nichts tun, als vor denen, die sich ihren Weg durch die Validierung lediglich deswegen erschummeln, um ohne Fehler in der Massenvalidierung von Verva aufzutauchen.

Die niedrige Zugänglichkeit und generell niedrige Qualität vieler staatlicher Webseiten ist einfach nicht akzeptabel. Zu einem gewissen Ausmaß ist es verständlich – sofern Sie nicht ein wenig Wissen über Webseitenzugänglichkeit haben, ist es schwierig festzustellen, ob eine Website zugänglich ist oder nicht. Viele staatliche Organisationen beauftragen eine Webagentur, um die Webseiten zu erstellen, da sie selten über Angestellte mit HTML-Kenntnissen verfügen. Das erschwert den Verantwortlichen die Prüfung, ob ihre Website zugänglich ist und ob das beauftragte Unternehmen seine Arbeit angemessen verrichtet.

Unglücklicherweise scheinen viele Webagenturen nicht daran interessiert zu sein, qualitativ hochwertige Websites zu erstellen, die besten Methoden zu benutzen oder sicherzustellen, dass die von ihnen erstellten Seiten für alle zugänglich sind. Warum das so ist, weiß ich nicht. Man kann leicht annehmen, dass Leute in der Internetbranche stolz auf eine gute Leistung sind und stets ihr Bestes geben. Das ist jedoch nicht immer der Fall.

Ein weiteres großes Problem ist das Marketing gewisser CMS-Hersteller. Eine Öffentlichkeitsarbeit, in der sie wissentlich falsch behaupten, dass Seiten, die mit ihrer Software erstellt werden, voll zugänglich sind und Webstandards befolgen, während alles, woran sie wirklich interessiert sind, die potentiellen Kunden sind, die sie mit WYSIWYG-Editoren, ausfaltenden Menüs, Drag-und-Drop-Integration in Microsoft Office und andere Spielereien beeindrucken. So lang CMS-Hersteller die Möglichkeit haben, ihre Produkte mit falschen Informationen zu bewerben, befürchte ich, werden wir keine große Verbesserung sehen, da nur sehr wenige Webagenturen existieren, die versichern, dass Ihr CMS validen, semantischen und zugänglichen Code erstellt.

Ok, da ich mich genug darüber ereifert habe, werde ich den Kernpunkt des Artikels ansprechen: Die Anleitung, wie jeder eine grundlegende Evaluierung der Zugänglichkeit von Webseiten durchführen kann.

Vorbereitung: Einige Tools installieren

Zuerst empfehle ich, einige nützliche Tools herunterzuladen und zu installieren, die die Evaluierung von Zugänglichkeit viel einfacher machen:

Viele von Ihnen haben bereits eine oder mehrere dieser Tools installiert, falls nicht, ist es jetzt an der Zeit, sie herunterzuladen und zu installieren.

Die Prüfabschnitte

Die Prüfabschnitte in diesem Artikel decken ein weites Areal von typischen Zugänglichkeitsfehlern ab. Einige von ihnen sind weiter verbreitet als andere. Es gibt 18 Prüfabschnitte:

Grundlegende Prüfabschnitte

  1. Validieren Sie HTML und CSS
  2. Keine Frames, bitte
  3. Automatisierte Tools zur Zugänglichkeitskontrolle
  4. Bilder und alternativer Text
  5. Stellen Sie sicher, dass Javascript unaufdringlich ist
  6. Erhöhen Sie die Schriftgröße
  7. Suchen Sie nach semanintschem Markup
  8. Schalten Sie CSS ab
  9. Benutzen Sie Fangs, um einen Screenreader zu simulieren

Das Nachhaken

  1. Farbkontrast
  2. Dokumenttitel
  3. Linktext
  4. Non-HTML-Formate
  5. Plattformabgrenzung
  6. Navigation mit der Tastatur
  7. Datentabellen
  8. Bedienelemente und Kennzeichnung von Formularen
  9. Benutzen Sie einen Screenreader

Der Artikel „Die Evaluierung von Webseitenzugänglichkeit Teil2, Grundlegende Prüfabschnitte“ wird bald verfügbar sein. Bis dahin könnten wir darüber diskutieren, wie man CMS-Entwickler überzeugen kann, die Zugänglichkeit und die Webstandards-Einhaltung ihrer Produkte zu verbessern. Hat jemand gute Ideen?

Dieser Artikel ist eine Übersetzung des Artikels “Evaluating Website Accessibility Part 1, Background and Preparation” von Roger Johansson. Alle Rechte am Artikel bleiben beim Autoren. Für weitere Informationen und Artikel zum Thema Webstandards besuchen Sie seine Seite 456 Barea Street

Original “Evaluating Website Accessibility Part 1, Background and Preparation” von Roger Johansson.

16 Kommentare

  1. Saugut! Bin gespannt auf die nächsten beiden Übersetzungen. Schade nur, daß das bei Leuten, die sich um Zugänglichkeit bemühen, offene Türen einrennt, hingegen bei Anderen auf Unverständnis stoßen wird.

  2. Gute Arbeit Nadja! Gut dass sich jemend gefunden hat, diese wichtige Artikelserie zu übersetzen ;-)

  3. Danke für das Lob, Björn. Und ich freue mich, wenn meine Übersetzung mehr Leser für das Thema anspricht.

    Aber scheinbar ist eine Übersetzung anderer Artikel ebenso notwendig, denn die Sprachbarriere ist immer noch eine der größten Barrieren im Netz.

    Siegfried, dass die Webstandardszene erst einmal ihren eigenen Kreis verlassen muss, ist sicherlich klar. Aber ich denke, wir kommen dem jeden Tag ein Stück näher.

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  6. Pingback: » Die Evaluierung von Webseitenzugänglichkeit: Teil 3, Das Nachhaken — cne _LOG Archiv

  7. Vielen Dank für die Übersetzung. Du hast nicht Unrecht, wenn du die Sprachbarriere als eines der größten Hindernisse siehst.

    Ich selbst spreche (und lese) ziemlich flüssig english, aber arbeite als Dozent, und da sind deutschsprachige Artikel eine echte Hilfe. Thanx.

    P.S.
    Gefundene Typos bekommst du als Email.

  8. Ich muss ja ehrlich zugeben dass ich mir über dieses Thema bisher offenbar viel zu wenig Gedanken gemacht habe und genau das ist im Code meiner Seiten auch deutlich zu sehen. :(
    Der Artikel ist aber sehr interessant und durchaus überzeugend. Nun werde ich mir erstmal die anderen beiden Teile auch noch vornehmen und dann mal schauen wie ich möglichst viel davon auch umsetzen kann.

  9. Dieser gut strukturierte Bericht hat wirklich volle Aufmerksamkeit verdient. Man sieht ja auf vielen sehr großen Internetseiten (Google, Heise, Netzwelt), dass prägnante Farben und strukturierte Inhalte einfach am Erfolgreichsten sind.

    Bei meinen Seiten habe ich anfangs das Hauptaugenmerk auf das Design in Form von Grafiken gelegt. Mittlerweile habe ich eingesehen, dass man sich an komplexen Designs nach einer Zeit sowieso satt sieht, bzw. dass die Ladezeit bei entsprechenden Besucherzahlen in die Länge gezogen wird.

  10. Vielen Dank für diese interessante Übersetzung und die Tools. Ein Thema um das man sich durchaus mehr Gedanken machen sollte.

  11. Sehr interessanter Artikel.
    In einem anderen Blog hatte ich meine Meinung schon zu einem änlichem Thema geschrieben. Als Webdesigner kann man mit den aktuellen Standards wunderbar arbeiten. Ich halte es nicht für notwendig immer weitere Standards zu entwickeln, wo der Grossteil der Webdesigner noch nicht einmal mit den aktuellen Standards arbeitet. Wenn ich eine Homepage erstelle, laufe ich immer Gefahr irgendwann von meinem Kunden verklagt zu werden, weil sie nicht nach den “supertollenneuen Standards” erstellt wurde. Aber die jetzigen Standards funktionieren doch recht gut.
    Solange noch nicht einmal die Browser Hersteller in der Lage sind-/ oder es sein wollen nach einhaltlichen Standards zu entwickel, warum sollen es dann die Webdesigner machen?

    “Allen zugänglich”
    Menü nach unten gesetzt, per CSS positioniert, am Anfang den Conten – das kann das doch nicht sein…

  12. Sehr interessanter erster Teil Deiner Artikelserie! Ich werde auf jedenfall wiederkommen und den Rest zuende lesen!

  13. Danke für die Infos.Gerade für mich als Newbie war der Artikel interessant. Habe gefunden was ich gesucht habe. Vielen dank und noch eine schöne Woche

  14. Vielen Dank für die Übersetzung! Schade das die USA uns in Punkto Barrierefreiheit um Meilen vorraus ist.

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